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Umweltdeklarationen für Bauprodukte

In verschiedenen europäischen Ländern (CH, D, DK, F, I, N, NL, S, UK) gibt es seit einigen Jahren Umweltdeklarationen für Bauprodukte. Sie enthalten ökobilanzbasierte Indikatoren, die den Beitrag zum Treibhauseffekt und zur Ressourcennutzung beschreiben, wie auch zur Versauerung, Überdüngung, Smogbildung und, wenn relevant, zu Flächennutzung und jeweils spezifischen toxischen Wirkungen auf Menschen und Ökosysteme. Die Deklarationen können auch Aussagen zu besonders umweltschonenden Produktentwicklungen enthalten sowie Hinweise auf besondere Nutzungsregeln, die der Umwelt zugute kommen.


Die Deklarationen eignen sich zur detaillierten Information von Geschäftspartnern und können das Marketing und die Kommunikation mit Investoren und anderen Anspruchsgruppen unterstützen.


Um Handelsbarrieren abzubauen, sollen die verschiedenen europäischen Programme und Verfahren vereinheitlicht oder zumindest harmonisiert werden. Dazu wurde die ISO Norm zur EPD von Bauprodukten 21930 im ISO/TC59/SC17 „Nachhaltiges Bauen“ erarbeitet. Maßgebliche Akteure auf dieser internationalen Bühne sind die Europäer; aber auch die USA, Kanada, Japan und Korea arbeiten aktiv mit.

 

Ein wichtiger Entwicklungsschritt im Rahmen des europäischen Harmonisierungsverfahrens für Bauprodukte ist die Einführung der neuen Bauproduktenverordnung, in der zusätzlich die neue Basisanforderung Nr. 7 "Nachhaltige Nutzung Natürlicher Ressourcen" aufgenommen wurde.

Für diese Basisanforderung sowie die Basisanforderung Nr. 3 "Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz" können EPD nach EN 15804 direkt als Nachweise herangezogen werden.

Für die Gesundheitsanforderung an die Innenraumluft und für die Anforderungen an die Umweltqualität der Bauprodukte für Wasser und Boden werden die Ergebnisse für harmonisierte Testverfahren aus CEN TC 351 genutzt. Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen wird mit einem Indikatorenansatz zu diesem Thema bedient, der in der EN 15643-2 eingeführt werden soll und in das Regel-Dokument für die EPD EN 15804 aufgenommen wird.

Die EU-Bauproduktenrichtlinie 89/106/EWG wird durch die EU-Bauproduktenverordnung Nr. 305/2011 abgelöst. Sie ist ab 1. Juli 2013 verbindlich anzuwenden. Damit gilt auch die Erwägung dass für die Ressourcenfrage EPD herangezogen werden sollen.

Deutsche EPD (Umweltdeklaration Typ III) für Bauprodukte entstehen u.a. im Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung und dem Umweltbundesamt. An der Entwicklung des Deklarationsprogramms ist ein Sachverständigenrat beteiligt. Darin sind neben den genannten Behörden die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), Bauwissenschaftler und Umweltverbände vertreten.

Das EPD-Programm des IBU (früher AUB) ist konform mit der Norm zur Typ-III-Bauproduktdeklaration nach EN 15804+A1. (Nachhaltigkeit von Bauwerken - Umweltproduktdeklarationen - Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte; Deutsche Fassung 2012) Grundlage für diese Norm ist die parallel in ISO TC 59/SC17 erarbeitete Norm ISO 21930 für die PCR Erstellung im Bausektor und die in  ISO TC 207/SC3/WG4 erarbeitete generische Norm zu Typ-III-Deklarationen ISO 14025, die für alle Produkte gilt. Das ISO TC 207/SC3 ist zuständig für Produktkennzeichen und -deklarationen im Rahmen der TC 207-Arbeiten zu Instrumenten des Umweltmanagements.

Deutschland hat im Normenausschuss Bau des Deutschen Instituts für Normung (DIN) einen Spiegelausschuss für die Normungsprojekte des CEN TC 350 und ISO/TC59/SC17 eingerichtet (Arbeitsausschuss 01.03.01), der mit Vorlagen und Kommentaren intensiv an der Ausarbeitung der Normentexte beteiligt ist. Dort ist das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung vertreten und entsendet auch Vertreter in die internationalen Gremien.

Darüber hinaus hat die Europäische Kommission im Februar 2004 ein Mandat vergeben, das auch die EPD für Bauprodukte an CEN (Standardisation Mandate) betrifft. Die Umweltdeklaration soll ein Element eines harmonisierten Verfahrens zur Bewertung Nachhaltigen Bauens sein. Das CEN TC 350 legt dann mit seiner Normenfamilie „Nachhaltigkeit von Bauwerken“ europaweit einheitliche Anforderungen für die Baubranche fest.

Neben den EPDs gibt es im deutschen Bausektor auch die Umweltlabels (Umweltkennzeichnung Typ I), die eine besondere Umweltleistung nach bestimmten Kriterien auszeichnen, aber die Eigenschaften selbst nicht deklarieren:

  • das "natureplus"-Zeichen, das den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aus nachhaltiger Landwirtschaft fördert,
  • der "Blaue Engel", der auch für einzelne Bauprodukte wie z. B. Kleber, Holzwerkstoffplatten oder Wandanstriche vergeben wird.


Selbstdeklarationen nach der Umweltkennzeichnung Typ II finden sich bei vielen Herstellern, die in eigener Regie und Verantwortung bestimmte umweltrelevante Produktmerkmale ausloben.

Umweltkennzeichnung Typ I

Diese Kennzeichnung besteht aus einem Zeichen oder Logo, mit dem Produkte mit besonders guter Umweltleistung ausgezeichnet werden. Ein bekanntes Beispiel ist der Blaue Engel.


Hinter dem Logo stehen bestimmte, vereinbarte Anforderungen an das Produkt. Sie werden so gewählt und später nachjustiert, dass immer nur ein bestimmter Prozentsatz des Produktangebots auf dem Markt dieses Logo erhalten kann. Diese Zeichen, die eine einfache, auf den Punkt gebrachte Botschaft vermitteln, richten sich an den Endverbraucher.


Die Anforderungen stellen charakteristische Grenzwerte oder qualitative Anforderungen dar, deren Einhaltung die Produkte deutlich umweltfreundlicher machen als solche Produkte, die die Grenzwerte und Anforderungen nicht erfüllen. Diese Hürden müssen so hoch sein, dass nur die besten Produkte es schaffen: So gewinnt das Zeichen an Wert. Die Anforderungen werden meist im Rahmen von Forschungsprojekten unter Beteiligung der interessierten Kreise verabschiedet. Zu diesen Kreisen gehören neben den Herstellern auch Fachleute aus der Branche, Verbraucherorganisationen, Umweltverbände, Behörden und Gewerkschaften. Im Beispiel Blauer Engel ist das die "Jury Umweltzeichen".


Die Anforderungen können immer nur für eine Kategorie von Produkten festgelegt werden, die dieselbe Funktion erfüllen. Das können z. B. verschiedene Kühlschränke sein, verschiedene Papiersorten, verschiedene Autoreifen, wenn man sich auf eine gemeinsame Funktion einigen kann. Die Einteilung der Produktkategorien ist nicht immer einfach: Innovative Produkte passen oft in keine Kategorie. Die Auswahl der Produkte, für die Anforderungen entwickelt werden, richtet sich u. a. nach dem ökologischen Verbesserungspotenzial für die ausgewählte Funktion. Die Hersteller von Fahrrädern als Produktgruppe würden z. B. keinen blauen Engel beantragen können, wohl aber Motorräder. Produkte wie Arzneimittel und Lebensmittel, bei denen die Funktionalität keine Kompromisse erlaubt, können nicht an dem System teilnehmen.


Die Überprüfung der gefragten Produkteigenschaften geschieht durch geeignete Messungen. Die Prüfzeugnisse werden von unabhängigen Dritten bestätigt. Beim blauen Engel wird die Prüfung durch das staatlich akkreditierte RAL (Deutsches Institut für Gütesicherung) abgenommen. Das komplexe Verfahren führt zu einer gewissen Schwerfälligkeit des Kennzeichnungssystems. Es ist aber auch Basis seiner hohen Glaubwürdigkeit beim Endverbraucher.

Umweltkennzeichnung Typ II

Das Typ-II-Umweltkennzeichen kann für jede Art der Deklaration von Umwelteigenschaften eines Produktes eingesetzt werden, sofern eine Reihe von Einschränkungen berücksichtigt werden, die in ISO 14021 - Umweltbezogene Anbietererklärungen (Umweltkennzeichnung Typ II) formuliert sind. Diese Einschränkungen gelten außerdem in jedem der drei Kennzeichnungs- oder Deklarationstypen für Aussagen zur Umweltleistung eines Produktes. Sie dienen einer fairen und glaubwürdigen Informationsvermittlung.


Darüber hinaus gibt es keine speziellen Anforderungen an Inhalte oder Überprüfungsverfahren für Typ-II-Deklarationen. Der Hersteller veröffentlicht die Aussagen selbst oder im Rahmen eines Programms. Er ist selbst für seine Aussagen verantwortlich und kann sie, muss aber nicht, zur Unterstreichung der Glaubwürdigkeit unabhängig überprüfen lassen. Ein bekanntes Beispiel sind die Deklarationen für Elektronik IT-eco declarations.

Umweltkennzeichnung Typ III

In dieser Umweltdeklaration wird eine systematische und umfassende Beschreibung der Umweltleistung des Produktes oder der Dienstleistung ohne Wertung direkt veröffentlicht. Der Nutzer dieser Information muss seine eigenen Maßstäbe zur Bewertung der deklarierten Sachverhalte wie CO2-Bilanz, Abfallträchtigkeit, Energie- oder Ressourceneinsatz anwenden. Diese umfängliche Deklaration eignet sich zur detaillierten Information von Geschäftspartnern. Sie richtet sich zum Beispiel an Einkäufer, Beschaffer, Produktmanager und Produktentwickler. Sie kann das Marketing und die Kommunikation mit Investoren und anderen Anspruchsgruppen unterstützen.

 

Vorreiter ist der Bausektor mit einigen Deklarationsprogrammen in Deutschland, Europa und Asien. Ausführliche Beispiele finden sich in der Datenbank des Programmbetreibers IBU (Institut Bauen und Umwelt) Die europäischen Programmbetreiber haben 2013 einen Dachverband gegründet, die ECO Plattform (http://www.eco-platform.org/), die zum Ziel hat die EN 15804 einheitlich in Europa umzusetzen und darüber hinaus auch europaweit ein einheitliches Verifizierungsverfahren zu installieren.


Die systematische Beschreibung der Umweltleistung baut auf der international anerkannten wissenschaftlichen Methode zur Untersuchung der Umweltleistung eines Produktes auf, der Ökobilanz nach ISO 14040 (Umweltmanagement: Ökobilanz, Prinzipien und allgemeine Anforderungen). Alle Stoffströme, die mit einem Produkt von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung verknüpft sind, werden systematisch erfasst. Die Umweltauswirkungen dieser Stoffströme werden nach international anerkannten und öffentlich zugänglichen Konventionen kategorisiert und charakterisiert. Das Ergebnis sind Kennzahlen, die für Umweltauswirkungen, wie z. B. Treibhauseffekt, Versauerung oder Überdüngung, direkt deklariert werden können. Zusätzlich zu den Kennzahlen der Ökobilanz werden nach der EN 15804 auch Indikatoren von Sachverhalten deklariert, die in der Ökobilanz bisher nicht erfasst werden können, wie z. B. die potenzielle Innenraumluftbelastung durch ein Bauprodukt, besonders besorgniserregende Inhaltsstoffe oder toxische Emissionen in Boden und Wasser. Die einzelnen Programmbetreiber können auch zusätzliche Informationen über die EN 15804 hinaus deklarieren, wie z.B. Landverbrauch bei der Bereitstellung von Strom aus Braunkohle oder das Brandverhalten eines Produkts.

 


Das typische Typ-III-Deklarationsprogramm ist privat organisiert, "driver" ist die Industrie selbst. Die Hauptnutzer sind ihrerseits Industrieakteure entlang der Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Vorausgesetzt, die Regeln sind transparent, kann der Nutzer die Relevanz der Indikatoren und die Qualität der Daten selbst einschätzen. Eine Überprüfung durch unabhängige Dritte ist deshalb für diese Deklaration lediglich für die Regelsetzung bei der Beschreibung des Produktsystems als "Product Category Rules" (Regeln der Datenrecherche für die Ökobilanz und die zusätzlich zu deklarierenden Sachverhalte) vorgesehen. Die Deklaration selbst wird nur noch auf Plausibilität durch unabhängige Verifizierer geprüft.


Eine der Hauptforderungen an das Deklarationssystem ist Flexibilität und eine rasche Einstellung auf den schnell wechselnden Markt der Produktinnovationen bei maßvollen Kosten. Die Bürokratie des Deklarationssystems ist gering, da nur die Beschreibung des Produktsystems einer Produktkategorie von unabhängigen Dritten überprüft werden muss und danach jede mit diesen Regeln erstellte Ökobilanz und Deklaration nur noch auf Einhaltung der Regeln und Plausibilität der Daten verifiziert werden muss.