Normung ISO TC 59 SC 17

Im Sommer 2002 hat das für das Bauwesen zuständige technische Komitee der ISO (TC 59) beschlossen, ein Normungsprojekt für nachhaltiges Bauen zu beginnen. Das TC arbeitet mit dem Sekretariat und dem Vorsitz aus Norwegen, das Subkomitee (SC) hat Sekretariat und Vorsitz in Frankreich. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit werden jedoch bisher nur die allgemeinen Grundsätze und die Indikatoren behandelt, die Deklaration von Bauprodukten und die Gebäudebewertung werden nur unter Umweltgesichtspunkten erarbeitet.

 

Der Stand der internationalen Normung im Rahmen von ISO TC 59 SC 17 lässt sich zum Zeitpunkt Ende 2016 wie folgt zusammenfassen:

Die Arbeit erfolgt in fünf verschiedenen Arbeitsgruppen (Working Groups):


WG 1 - Allgemeine Grundsätze und Terminologie:

Die Norm "ISO 15392:2008 Sustainability in building construction - General principles" enthält für den Bausektor spezifische Grundsätze für nachhaltiges Planen und Bauen, wobei alle Arten von Gebäuden im Hochbau betrachtet werden. Außerdem werden die Aufgabe und Position der verschiedenen Unterprojekte im SC 17 dargestellt und wichtige Begriffe und Definitionen erläutert.

 

Die Norm befindet sich derzeit in der Revision (ISO WD 15932) . Ziele der Überarbeitung und Weiterentwicklungsind die Präzisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs, die stärkung des Bezugs zu Schutzgütern und Schutzzielen einer nachhaltigen Entwicklung und die Erarbeitung von Positionen zu neuen Themen (u.a. Resilience).

 

Im Ergebnis der Arbeiten der WG1 liegen vor: ein Fachbericht zur Terminologie (ISO/TR 21932:2013):„Bauwesen - Nachhaltigkeit von Gebäuden und Ingenieurbauwerken - Übersicht der Terminologie“sowie  ISO TS 12720 „Sustainability in building construction – Guidance on the application of ISO 15392 General principles” im Sinne eines Anwendungsleitfadens zur Hauptnorm vor.

Aktuell wird in der WG1 an Grundlagen zur Beschreibung, Beurteilung und Beeinflussung der Anpassbarkeit und Rückbaubarkeit von Bauwerken gearbeitet.

 

Federführung: Kanadisches Normungsinstitut CSA

 

 

WG 2 - Nachhaltigkeitsindikatoren:

Im Ergebnis der Arbeiten der WG 2 liegt mit  ISO 21929-1 eine Norm vor, die einerseits eine Mindestliste der bei der Nachhaltigkeitsbewertung von Bauwerken zu berücksichtigenden Indikatoren vorstellt und andererseits einen Ansatz zum Umgang mit Neben- und Folgewirkungen von Planungsentscheidungen auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft erläutert. Grundlage sind relevante Schutzgüter und Schutzziele einer nachhaltigen Entwicklung.

 

Ab 2017 beginnen Arbeiten zur Entwicklung von Grundlagen für die Bereitstellung, Anwendung und Interpretation von Benchmarks zur ökologischen, ökonomischen und soialen Qualität von Bauwerken. Diese Arbeiten konzentrieren sich auf methodische Fragen.

 

 

WG 3 - Umweltdeklarationen von Bauprodukten:

 

In dieser Arbeitsgruppe wurde 2017 die Norm "ISO 21930:2007 „Hochbau - Nachhaltiges Bauen - Umweltdeklaration von Bauprodukten“ erarbeitet und 2017 revidiert. Die Norm beschreibt die grundlegenden Anforderungen an die Formulierung von PCR Dokumenten für Bauproduktkategorien. 

Die Revision enthält die horizontalen Regeln für die Erstellung von EPD im Bausektor und gibt Anleitung für die Entwicklung von PCR für spezifischere Bauproduktkategorien. Im ISO 21930:2017 übernimmt die Norm alle Anforderungen aus der EN 15804+A1:2013 und ermöglicht auch eine Deklaration des potentiellen globalen Beitrags zum Klimawandel verursacht durch den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. In Bezug auf die Charakterisierungsfaktoren können auch andere Faktoren, die in nicht europäischen Ländern berücksichtigt werden, verwendet werden. Außerdem wird die optionale Deklaration von zusätzlichen Informationen (auf der Basis von LCA oder anderen wissenschaftlich fundierten Methoden) ausführlicher beschrieben.

WG3 beschäftigt sich mit dem neuen Arbeitsprojekt „Enabling use of Environmental Product Declarations (EPD) at construction works level using building information modelling (BIM)“ mit den Anforderungen an EPD, die digital in BIM Instrumenten zur Gebäudeerfassung eingesetzt werden. Um die Informationen in der EPD korrekt anzuwenden und zu interpretieren, muss i.d.R. zusätzliche Information geliefert werden.

 

Federführung: Norwegisches Normungsinstitut NSF

 

 

WG 4 - Bewertung der Wirkungen von Gebäuden auf die Umwelt:

Im Ergebnis der Arbeiten der WG4 liegt ISO 21931-1:2010 Sustainability in building construction – Framework for the assessment of the environmental performance of construction works – Part 1: Buildings vor. Es werden die Anforderungen und Grundlagen einer Beschreibung der Umweltqualität von Gebäuden formuliert. Dabei werden die weltweit sehr unterschiedlichen Systeme zur Erfassung und Bewertung der Umweltqualität berücksichtigt. Die Norm beefindet sich in der Revision. Es ist geplant, sie um Anforderungen und Grundlagen zur Beschreibung der ökonomischen und sozialen Qualität von Bauwerken zu erweitern.

 

Weitere Normungsaktivitäten führten zurISO 16745-1 „Environmental performance of buildings – Carbon metric of a building – Part 1: Use stage”.Inhalt ist die Erarbeitung einheitlicher Grundlagen und Systemgrenzen für die Ermittlung, Bewertung und Darstellung von Emissionen an klimarelevanten Gasen in der Nutzungsphase von Gebäuden. Diese Norm hat besondere Bedeutung für den net-zero-emission-Ansatz bei Gebäuden.

 

Federführung: Japanisches Normungsinstitut JISC

 

 

WG 5 - Civil Engineering works

Unter Leitung Spaniens wird an Grundlagen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Ingenieurbauten gearbeitet. U.a. wird eine ISO TS 21929-2 erarbeitet, die Indikatoren für die Nachhaltigkeit von Ingenieursbauten vorstellt.

-Normung TC 59 Bauwesen