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Ziele, Grundlagen und Hilfsmittel für die Bewertung von Gebäuden

Prof. Dr.-Ing. habil. Thomas Lützkendorf

Universität Karlsruhe (TH), Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Stiftungslehrstuhl Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus
thomas.luetzkendorf@wiwi.uka.de

 

 

Nachdem sich die Entwicklung, Erprobung und Anwendung von Grundlagen für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden und insbesondere für eine sich auf wissenschaftliche Methoden abstützende Beurteilung ihrer ökologischen Vorteilhaftigkeit über längere Zeiträume auf Forschungs- und Bildungseinrichtungen konzentrierte, verändert sich jetzt die Situation. Mit dem Wunsch, den Beitrag von Gebäuden zu einer nachhaltigen Entwicklung in einem umfassenden Sinne zu analysieren, zu dokumentieren und zu signalisieren wenden sich verstärkt Akteure aus der Bau- und Immobilienwirtschaft dieser Thematik zu. Sie fragen dabei sowohl anwendbare Bewertungsverfahren und –hilfsmittel als auch richtungssichere Bewertungsergebnisse nach. Dabei verfolgen sie u.a. folgende Ziele:

  • Wahrnehmung der Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft (social reponsibility)
  • Nachweis der Wahrnehmung der Vorbildrolle der öffentlichen Hand
  • Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Beschaffung
  • Signalisieren von Planungs-, Bau- und Produktqualität im nationalen und internat. Wettbewerb
  • Sicherung von Wertstabilität und Wertzuwachs, Erkennen und Vermeiden von Risiken
  • Verbesserung des Images bzw. Reduzierung des Reputationsrisikos
  • Verbesserung der Informationsgrundlagen für Rating und Wertermittlung
  • Unterstützung von Investitionsentscheidungen und des Portfolio-Managements
  • Schaffung von Grundlagen für Gesetze und Förderprogramme
  • Bereitstellung von Informationen für Entscheidungen zur Finanzierung und Versicherung
  • Erweiterung der bei der Gebäude- und Bauteiloptimierung zu berücksichtigenden Aspekte.


Weltweit existieren zahlreiche Beispiele für Methoden, Hilfsmittel und Darstellungsformen zur Bewertung der Energieeffizienz, der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit (green buildings) bzw. des Beitrages von Gebäuden zu einer nachhaltigen Entwicklung (sustainable buildings). Eine einheitliche und allgemein anerkannte Methode zur Beschreibung und Bewertung nachhaltiger Bauwerke hat sich bisher nicht durchgesetzt. Im Rahmen der internationalen (u.a. ISO TC 59 SC 17) und europäischen Normung (u.a. CEN TC 350 Sustainability of construction works) werden derzeit die Grundlagen für eine Harmonisierung erarbeitet. Dabei zeichnet sich ab, dass sich künftig die Bewertung der ökologischen Vorteilhaftigkeit vorzugsweise auf Methoden der Ökobilanzierung, die der ökonomischen Vorteilhaftigkeit auf Ergebnisse der Lebenszykluskostenrechnung abstützen wird. Die Art der Festlegung der Bewertungsmaßstäbe sowie der Methoden zur Zusammenfassung und Darstellung von Bewertungsergebnissen wird zunächst nicht geregelt.

Durch die Arbeit des Runden Tisches für Nachhaltiges Bauen beim BMVBS sowie des Arbeitsauschusses Nachhaltiges Bauen beim DIN, durch Zuarbeiten aus der Bauindustrie und Bauwirtschaft sowie durch mehrere durch das BBR geförderte Forschungsvorhaben wurden Vorrausetzungen für die Bewertung von Gebäuden in Form von Grundlagen für die Auswahl und Anwendung von Kriterien und Indikatoren, für die Erarbeitung von Bewertungsmaßstäben zur Beurteilung der Ergebnisse einer objektbezogenen Ökobilanzierung und Lebenszykluskostenrechnung sowie zur Abschätzung der Nutzungsdauer von Bauteilen und Systemen erarbeitet. Gleichzeitig wurde ein System sich arbeitsteilig ergänzender Hilfsmittel entwickelt, welches vorhandene Lösungen einbezieht, deren relative Selbständigkeit erhält und über Schnittstellen einen Informationsaustausch sowie –fluss sichert. Dieses besteht u.a. aus Datenbanken mit umweltbezogenen Informationen für Bauprodukte, Bauprodukt- und Gefahrstoffinformationssystemen, Werkzeugen zur Bauteilbewertung und –optimierung, Hilfsmitteln zur Unterstützung der Planung und Bewertung von Bauwerken, Handlungsanleitungen zur Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in den Planungsprozess einschließlich des Erschließens verfügbarer Informationen und Hilfsmittel.

Mit den zur Verfügung stehenden Grundlagen und Hilfsmitteln wurden wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um die Akteure der Bau- und Immobilienbranche bei der Verfolgung ihrer individuellen und institutionellen Ziele im Bereich der Umsetzung von Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen.