Nachhaltigkeit – Verantwortung und Wettbewerbsfaktor
Prof. Dipl.-Ing. Hans Helmut Schetter
Mitglied des Vorstands der Bilfinger & Berger AG
christine.lemaitre@bilfinger.de
Allein 40 Prozent des Endenergiebedarfs in Deutschland entfallen auf den Gebäudesektor. Eine energetische Sanierung aller Bestandsgebäude könnte pro Jahr bis zu 150 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen einsparen. Es gilt dieses hohe Einsparpotenzial zu nutzen.
Durch die bisherige Gewohnheit, Planung, Bau und Betrieb zu trennen, werden ressourcenoptimierte Immobilienlösungen verhindert. Außerdem orientiert sich die Vergabepraxis vor allem am Kriterium des günstigsten Preises. Dies gilt es zu ändern.
Nur über ganzheitliche Betrachtungen im Lebenszyklus wird die Voraussetzung für nachhaltigkeitsorientiertes Bauen geschaffen. Dazu hat auch die Bauindustrie seit Jahren das entsprechende Know-how aufgebaut. Zukunftsweisende Vertragsmodelle wie PPP, Partnering oder Alliancing, die in vielen Ländern seit langem bewährt sind, müssen sich auch in Deutschland durchsetzen.
Um den Nachhaltigkeitsansatz im Bauen voranzutreiben, muss dieser zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor werden. Erst dann wird es möglich sein, eine große Innovationsgeschwindigkeit zu generieren. Für einen objektiven Wettbewerb ist es dabei unerlässlich, die Nachhaltigkeit messbar zu machen. Technische Vorgaben von Seiten des Gesetzgebers sind allerdings der falsche Weg. Stattdessen werden ganzheitliche Konzepte benötigt, die über ein einheitliches Zertifizierungssystem bewertet werden können. Idealerweise begleitet die Zertifizierung als iterativer Prozess die Planung und kommt vor Baubeginn zum Abschluss.

