Nachhaltiges Bauen – Von der europäischen Politik zur nationalen Umsetzung
Manfred Fuchs
Europäische Kommission, Generaldirektion Unternehmen und Industrie
Abteilung für Baugewerbe
Manfred.Fuchs@ec.europa.eu
Der (noch nicht abgeschlossene) Weg zur Nachhaltigkeit
Die Europäische Kommission versucht – wie zahlreiche andere nationale und internationale Akteure – im Bereich des Bauens ihren Beitrag zur Nachhaltigkeitsdebatte aber auch praktische Instrumente zur Umsetzung dieses Konzeptes zu liefern. Und ähnlich anderer internationaler und nationaler Akteure stößt auch sie immer wieder auf Definitionsprobleme und an die Grenzen des praktisch Machbaren.
Da die meisten Aspekte des Planungs- und Bausektors fast ausschließlich im regulativen Verantwortungsbereich der Mitgliedstaaten liegen, kann die Kommission hier auch nicht als Gesetzgeber auftreten1, wohl aber allgemeine Vorschläge an die Mitgliedstaaten richten, und auch als Koordinator von Informationen zwischen den Mitgliedstaaten der EU (und darüber hinaus), als Initiator oder Unterstützer von Forschungsvorhaben auf Europäischer Ebene wie auch als Koordinator zwischen verschiedenen Projekten verschiedener Mitgliedstaaten ihre Dienste zur Verfügung stellen.
Im Bereich des nachhaltigen Bauens sind hierbei auf drei verschiedenen Ebenen Initiativen der Kommission gesetzt worden:
- Stadt- und Regionalplanung
- Bericht zum nachhaltigen Bauen
- Thematic Strategy on the Urban Environment (COM(2005) 718)
- Planung und Ausführung von Bauwerken
- Grünbuch für „green public procurement“ – spezielle Vorgaben für den Bausektor?
- Barrierefreies Bauen – neues Mandat an CEN
- Life-Cycle-Costing
- LEnSE-Projekt
- Produkte, die bei der Errichtung und Benutzung von Bauwerken eingesetzt werden
- Eco-label, EMAS, und Integrated Product Policy
- Lead Market
- The integration of environmental aspects into standardisation COM (2004) 130
- JRC Datenbank
- Mandat 350 und CEN TC 350
Nach dieser kurzen Aufzählung wird erkennbar, dass auch auf Kommissionsebene nicht ein Ansatz und ein Instrument zur Umsetzung existiert, sondern eine Vielzahl von Initiativen, die mehr oder weniger stark miteinander verknüpft sind. Eine umfassende Behandlung der Nachhaltigkeit im Bausektor wird teilweise versucht, ist aber noch keineswegs erreicht.
Doch nach diesem Fokus auf die Europäische Ebene darf eines nicht vergessen werden: Es ist das Interesse an nachhaltigem Bauen und die praktische Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien auf Mitgliedstaatenebene, die schlussendlich den Ausschlag gibt, ob Nachhaltigkeit ein bedeutender Faktor im Bau- und Planungssektor oder eine fast inhaltslose Worthülse sein wird. Und last not least (womit der Europäische Gedanke doch das letzte Wort behält): Die Komplexität des Konzeptes des nachhaltigen Bauens verurteilt praktisch jeden nationalen Alleingang zum Scheitern. Nachhaltiges Bauen ist zwar vom Interesse auf Mitgliedstaatenebene aber nicht von einem nationalen System abhängig, und kann nur dann sinnvoll angewandt werden, wenn Systeme und Daten vergleichbar sind, und somit eine sinnvolle und transparente Ausschreibung, Planung und Ausführung in allen Mitgliedstaaten der EU ermöglichen.
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1 Wobei hier bewusst einige relevante Richtlinien, wie beispielsweise die der Energieeffizienz von Gebäuden (2002/91/EC) oder die Bauproduktenrichtlinie (89/ 106/EC) ausgenommen sind, da sie zwar zum Gesamtbild der Nachhaltigkeit beitragen, diese aber nicht explizit als Ziel anführen.

