Erfahrungen mit der Umsetzung des Leitfadens bei Bundesbauten
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank Ulrich Vogdt
Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e.V. an der TU Berlin
bauphysik@tu-berlin.de
Mit der Einführung des Leitfaden Nachhaltiges Bauen im Jahr 2000 folgte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (ehemals BMVBW) den Zielen der Agenda 2010 im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development).
Speziell für die Baumaßnahmen der öffentlichen Hand wurden mit dem Leitfaden erstmals Nachhaltigkeitsziele definiert, die auf den „Drei Säulen der Nachhaltigkeit“ – Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles – basieren. Folgende Schutzziele werden dabei hervorgehoben:
- Schutz der menschlichen Gesundheit,
- Schutz des Ökosystems und
- Schutz der Ressourcen.
Der Leitfaden legt dabei einen Schwerpunkt auf die quantitative ökologische und ökonomische Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden und verankert damit den Einsatz der Life-Cycle-Assessment- (LCA) und Life-Cycle-Costing-Methodik (LCC). Soziokulturelle Aspekte werden qualitativ beurteilt.
Im Rahmen der ersten umzugsbedingten Baumaßnahmen des Bundes von Bonn nach Berlin, konnten die Anforderungen des Leitfadens noch nicht vollständig umgesetzt werden, da die Planungen zum Zeitpunkt seiner Einführung bereits teilweise abgeschlossen waren. Dennoch können vielfältige Beispiele für die praktische Umsetzung von Teilkonzepten genannt werden:
Ökologische Dimension
Im Rahmen von ökologischen Variantenvergleichen wurden verschiedenartige Baukonstruktionen unter Berücksichtigung des Lebenszyklusansatzes bei den Bundestagsgebäuden (Jakob-Kaiser-Haus) optimiert. Die im Leitfaden geforderte „Ökologische Tiefenbewertung“ auf Gebäudeebene konnte noch nicht durchgeführt werden, da Basisdaten, Referenzwerte und Berechnungswerkzeuge noch nicht in ausreichendem Umfang vorlagen. Diese werden mit den derzeit laufenden Forschungsprojekten zukünftig zur Verfügung gestellt.
Ökonomische Dimension
Durch das Wirken des Energiebeauftragten für die umzugsbedingten Baumaßnahmen des Bundes wurde mit Hilfe von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen eine Senkung der Lebenszykluskosten erreicht – wie z. B. durch die Optimierung des baulichen Wärmeschutzes. Auch hierzu wird durch aktuelle Projekte die Datenbasis für die Bewertung von Betriebskosten verbessert. Dazu gehören gebäudetypbezogene Referenz-, Grenz- und Zielwerte für Medienverbräuche, Reinigung, werterhaltender Bauunterhalt bis hin zu Rückbau- und Recyclingkosten.
Soziokulturelle Dimension
Durch die Auslobung der Architekturwettbewerbe und die Umsetzung von Maßnahmen zum Thema „Kunst am Bau“ wurde den baukulturellen Belangen bei den Bundesbauten besondere Beachtung geschenkt. Weitere soziokulturelle Aspekte – wie z.B. der Gesundheitsschutz – fanden in differenzierten Konzepten Berücksichtigung. So wurde beispielsweise ein Konzept für die Sicherstellung der Raumluftqualität in den Parlamentsbauten Jakob-Kaiser-Haus, Paul-Löbe-Haus sowie Marie-Elisabeth-Lüders-Haus für die Planungs- und Ausführungsphasen im Hinblick auf die Auswahl der Bauprodukte für den Innenausbau erstellt und im Rahmen eines abschließenden Monitorings verifiziert.
Bei der Evaluierung der Umsetzung des Leitfadens in 2004 wurde eine Vielzahl von Liegenschaften bezüglich der Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien untersucht, mit dem Ergebnis, dass die praktische Umsetzbarkeit – insbesondere im Hinblick auf eine quantifizierende Bewertung der ökologischen und ökonomischen Aspekte – verbessert werden muss. Dies wird mit der Fortschreibung des Leitfadens angestrebt.

