3. Planungsgrundsätze
3.1 Allgemeines
Bedarfshinterfragung Neubau
Ist zur Deckung eines Raumbedarfs ein Neubau erforderlich oder kann auf den Bestand zurückgegriffen werden?
Optimierung des Raumprogramms
Ist das Raumprogramm auf den tatsächlich notwendigen Bedarf ausgelegt? Unterstützt die vorgesehene Raumzuordnung die Arbeitsprozesse (Wegebeziehungsoptimierung)?
Grundstückbezogene Auswirkungen beachten
Unterstützt das Grundstück die Ansprüche an Ökologie (Eingriff / Ausgleich / Verkehrsströme / Flächenrecycling / Bauen auf kontaminierten Flächen) und Ökonomie?
Gebäudeentwurf optimieren
Den Entwurf im Hinblick auf Ökologie, Ökonomie, Funktionalität und Gestaltung optimieren.
Lange Nutzungsdauer von Bauwerken
Dauerhaftigkeit der Gebäude. Möglichkeit zur Mehrfachnutzung / -umnutzung bei Wegfall der bisherigen Nutzung.
Dauerhaftigkeit von Baustoffen und Bauteilen
zur Verlängerung der Lebensdauer der Gebäude und Reduzierung des Unterhaltungs- und Erneuerungsaufwands.
Optimierung der Bauteilgeometrien
zur Erhöhung von Nutzwert und sozialer Transparenz, zur größeren Verwendungsbreite, besseren Weiter- und Wiederverwendung und einfacheren Wartung / Inspektion.
Vermeiden von schwer trennbaren Verbundbaustoffen und –teilen
zur besseren Recyclingfähigkeit und planmäßigen Förderung der Aufarbeitung und Weiter- und Wiederverwendung gebrauchter Baustoffe / -teile.
Geringe Schadstoffbelastung der Baustoffe / -teile
zur leichteren Weiter- und Wiederverwendung, einfachen Entsorgung nichtverwendbarer Reststoffe und zum Schutz des Bodens und des Grundwassers vor schädlichen Stoffeinträgen.
Kontrollierter Rückbau bei Wegfall jeglicher Nutzungsmöglichkeiten
zur Trennung von Stofffraktionen und weitestgehender hochwertiger Weiter- und Wiederverwendung. (vgl. Arbeitshilfen Recycling, BMVBW)
3.2 Der Entwurf
- die funktionellen und die gestalterischen Anforderungen erfüllt werden,
- Gesundheit und Behaglichkeit in der Nutzungsphase gewährleistet sind,
- Energie-, Betriebs- und Unterhaltungsaufwand minimiert wird,
- das Gebäude mit nur geringem Reinigungsaufwand, in Teilen weitgehend selbstreinigend (z. B. Dächer u. Fassaden), betrieben werden kann,
- Inspektions-, Wartungs- und Unterhaltungsaufwand gering gehalten wird und sie
- wirtschaftlich und umwelt- bzw. ressourcenschonend erstellt werden können sowie
- möglichst geringe nutzerbedingte Verkehrsströme erzeugt.
Belastungen für die Umwelt korrelieren mit den Betriebskosten. Wesentlich sind die Aufwendungen, wie einzelne Beispiele aus dem Jahre 98 zeigen, für
- Strom / Kühlen (15 - 40 €/m2HNF·a)
- Reinigung (15 - 35 €/m2HNF·a)
- Inspektion und Wartung (5 - 35 €/m2HNF·a)
- werterhaltenden Bauunterhalt (5 - 15 €/m2HNF·a)
- Heizen (5 - 15 €/m2HNF·a)

- Abbildung 3: Betriebskosten je m² HNF und Jahr (Beispiele)
In interdisziplinärer Zusammenarbeit aller an der Planung Beteiligten sollte frühzeitig ein Konzept zur Nachhaltigkeit entwickelt werden. Hierdurch sollen Lösungen erreicht werden, die gleichermaßen durch Funktionalität, Gesundheitsverträglichkeit, Behaglichkeit, Architektur, Städtebau, Gestaltung, Wirtschaftlichkeit, Konstruktion und ökologische Qualität überzeugen.
3.3 Konkrete Anforderungen
Die vorbeschriebenen Planungsgrundsätze führen zu konkreten Anforderungen an einzelne Bereiche und Gewerke, die der Übersichtlichkeit halber in folgenden Anlagen zusammengestellt sind:
Anlage 1: Checkliste
Anlage 2: Planungsgrundsätze für den Gebäude- und Liegenschaftsentwurf
Anlage 3: Gesundheit und Behaglichkeit
Anlage 4: Energie und Medien
Anlage 5: Planungsgrundsätze für Außenanlagen
Anlage 6: Bewertung der Nachhaltigkeit von Liegenschaften und Gebäuden
Anlage 7: Gebäudepass
Erläuterungen zur Anwendung der Anlagen:
In der Anlage 1 sind in Kurzfassung die wesentlichen Anforderungen aus den anderen Anlagen zusammengefasst. Sie dient als Checkliste konkreter Anforderungen für Einzelobjekte. Sie bildet für die jeweiligen Planungs- und Entscheidungsschritte ein einfach zu handhabendes Aufgabenbeschreibungs- und Überprüfungsinstrument. Zu Vorplanungen und Wettbewerben wird dem Planer oder Wettbewerbsteilnehmer die Checkliste (Anlage 1) übergeben. In ihr werden die Anforderungen kenntlich gemacht, deren Erfüllung mit der Vorplanung bzw. dem Wettbewerbsentwurf durch Zeichnung, Wort oder Berechnung nachzuweisen ist.Für Nutzungs- und Betriebsaufwendungen werden Grenz-, Richt- bzw. Zielwerte angegeben. Insbesondere sind dies
- Baukosten,
- Strombedarf,
- Energiebedarf für Heizen / Kühlen,
- Inspektions- und Wartungskosten,
- Kosten des werterhaltenden Bauunterhalts,
- Reinigungskosten sowie
- Wasser- / Abwasserverbrauch bzw. -kosten,
jeweils bezogen auf m² HNF und Jahr. Für die weitere Planung gilt sinngemäß gleiches.
Anlage 2 beschreibt die Entwurfsanforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit bereits von der ersten Planungsphase an. Hier werden insbesondere die Auswirkungen der Bau-, Betriebs- und Unterhaltungsphase auf den Entwurf des Architekten betrachtet. Konkrete Anforderungen an die Fachbereiche, die durch die einzelnen Fachplaner zu erfüllen sind, werden hier nicht behandelt. Diese sind Gegenstand der Anlagen 4 und 5.
Aufgrund der Bedeutung der Anforderungen an Gesundheit und Behaglichkeit (Anlage 3) sind diese den Anforderungen der Technischen Gebäudeausrüstung vorangestellt. Sie gelten auch bei allen nachstehenden fachbezogenen Anforderungen.
Die Anlage 4 beinhaltet die im Wesentlichen für den Fachplaner der Technischen Gebäudeausrüstung relevanten Planungskriterien. Die energiebezogenen Anforderungen lassen sich jedoch mit einem ganzheitlichen Planungsansatz erfüllen.
Die Planung der Außenanlagen im Sinne eines ganzheitlichen Gesamtentwurfs wird in Anlage 5 aufgezeigt.
Die ökologische und ökonomische Bewertung über den gesamten Lebenszyklus bis hin zum Rückbau erfolgt im ökologischen Teil vorerst nicht auf monetärer Basis. Soziale und kulturelle Aspekte ergänzen die Bewertung zur Nachhaltigkeit (Anlage 6).
Der Gebäudepass (Anlage 7) beinhaltet wichtige Gebäude-Kenndaten. Er ist für die Nutzungsphase (Facility Management) und zur Dokumentation der Gebäudegeschichte (wichtig bei Umbaumaßnahmen und Rückbau) von besonderer Relevanz.
Erläuterungsbericht / Baubeschreibung
Grundsätzlich enthält der Erläuterungsbericht gem. RBBau die Konzepte zur Minimierung der Nutzungs- und Betriebsaufwendungen für
- Strom,
- Heizen,
- Kühlen,
- Reinigung,
- Inspektion und Wartung,
- werterhaltenden Bauunterhalt (Kaskadenmodell) sowie
- Medienströme (Wasser, Abwasser, Abfall).
Dabei sind die Gesamtkosten, das sind Baukosten zuzüglich Baunutzungskosten, zu optimieren. Nichtbeachtung oder Nichterreichen konkreter, für das geplante Objekt relevanter Anforderungen sind zu begründen (Anlage 1).
In einer abschließenden Gesamtbewertung sollen mögliche Alternativen, insbesondere in den Spannungsfeldern von
- Investitions- zu Betriebskosten,
- Investitions- und Betriebskosten zu externen Kosten und Umweltbelastungen sowie
- konventionellen zu innovativen Bauverfahren,
aufgezeigt und bewertet werden.


